Aus Literatur.Review
Am 14. November dieses Jahres jährte sich zum 50. Mal das illegale Madrider Abkommen, mit dem Spanien die administrative Kontrolle über seine Kolonie Westsahara an Marokko und Mauretanien übertrug. Dieser Akt erleichterte die Annexion der Westsahara, die bereits seit Ende Oktober 1975 im Gange war. Während sich Mauretanien 1979 zurückzog, hält Marokko heute mehr als 80 Prozent der Westsahara besetzt. Spanien ist seiner Verantwortung für die Entkolonialisierung bis heute nicht nachgekommen.
Die jüngste Verabschiedung der Resolution 2797(2025) des UN-Sicherheitsrates am 31. Oktober 2025 fügt diesem unbewältigten kolonialen Erbe eine neue Ebene hinzu. Zum ersten Mal unterstützt die Resolution ausdrücklich den marokkanischen Autonomieplan als „ernsthafte und realistische Grundlage“ für die Lösung des Konflikts. Dies verstößt gegen den internationalen Status der Westsahara als Entkolonialisierungsproblem und stellt eine erhebliche Abweichung von der Art und Weise dar, wie der Sicherheitsrat das Thema bisher im Einklang mit den in der Charta der Vereinten Nationen verankerten Prinzipien behandelt hat. Die Resolution vertieft somit den Widerspruch zwischen der historischen Verantwortung Spaniens und der sich entwickelnden Position der Vereinten Nationen, da sie faktisch eine Besetzung legitimiert, die ihren Ursprung in einer unrechtmäßigen Machtübertragung vor fünfzig Jahren hat (1). Während die spanische Zivilgesellschaft das Recht des saharauischen Volkes auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit unterstützt, steht die spanische Regierung weiterhin auf der Seite Marokkos (2), was die ungelöste moralische und politische Schuld von 1975 noch verstärkt.
Dieser Aufsatz befasst sich mit einer der dauerhaftesten Spuren der spanischen Kolonialherrschaft: der spanischen Sprache. Neben Äquatorialguinea ist die Westsahara das einzige hispanophone Land in Afrika. Obwohl sich Spanien 1975 aus dem Land zurückzog, zirkuliert die spanische Sprache durch Migration, Bildung und Medien weiter und bildet ein vielschichtiges Feld, in dem sich koloniale Überbleibsel, antikolonialer Widerstand und neue Solidaritäten überschneiden. So spiegelt das Spanische den unvollendeten Prozess der Dekolonisierung der Westsahara wider.
Maja Zwick ist Soziologin mit den Schwerpunkten Westsahara-Konflikt, transnationale Mobilität und langwierige Flüchtlingssituationen im globalen Süden, insbesondere in den saharauischen Flüchtlingslagern in Algerien, wo sie umfangreiche Feldforschung betrieben hat. Sie promovierte an der Freien Universität Berlin über das Verhältnis von Ort und Zugehörigkeit im Kontext von Flucht, Migration und Rückkehr. In ihrer Forschung verbindet sie sozialanthropologische, postkoloniale und dekoloniale Ansätze mit partizipativen qualitativen Methoden. Ihre Arbeit wurde von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und dem DAAD gefördert.
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